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29. Oktober 2008

Hallo, mein Name ist Rakete!

Chinesen sind bei der Namensgebung ihrer Kinder schon sehr kreativ. Wenn es dann auch noch darum geht, sich selber bzw. seinem Kind einen englischen Namen zu verpassen, dann sind der Phantasie alle Tore geöffnet. Alleine beim TÜV in China gibt es Octavia, Morning, Vienna, Mirror, Winter, Snowman, Rainman und so weiter. Mandela ist in China eine Frau. Auch den Namen Jericho gibt es bei uns in der Firma. Zwar gibt es den Namen Jericho tatsächlich als Männernamen und nicht nur als Stadt im Nahen Osten, aber unsere TÜV Jericho ist eine hübsche Frau. Ach so, und dann gibt es noch Rocket. Rocket arbeitet im übrigen in der selben Abteilung wie Rainman in Shenzhen.

Vicky hat mir erzählt, dass eine ihrer Kolleginnen auf der wunderschönen Namen "Swallow" hört. Swallow, die Schwalbe! Schöner Name, oder? Nur leider kann "swallow" auch mit "schlucken" übersetzt werden. In diesem Sinne, "Schluck, Du Luder ...!"

Schöne Grüße aus Guangzhou, Jörg!

23. Oktober 2008

Ich besuche meine Schwester ...

Wenn ich schreiben würde, ich besuche meine Schwester in München, wo ich doch eigentlich nur einen Bruder in Dresden habe, wäre die Mehrheit der Leser die mich kennen ziemlich irritiert. In China wär' das weniger der Fall. Ich weiß nicht ob pauschal alle Verwandten der gleichen Generation in China Brüder und Schwestern sind oder ob dies nur auf Cousins und Cousinen zutrifft, da bin auch ich überfragt.

Jedenfalls hat mir eine Freundin vor kurzem erzählt, dass sie ihre "Schwester" besucht. Ich war schon am Grübeln. Gab es da nicht die "Ein-Kind-Politik" in China? Ist immernoch so, und die Eltern der Freundin haben auch nur ein Kind. Da man aber deswegen ja keine Brüder und Schwestern mehr hat, macht man im Sprachgebrauch einfach die Cousins und Cousinen zu Brüder und Schwestern.

In diesem Sinne, liebe Brüder und Schwestern und alle anderen,

Schönen Gruß aus Guangzhou, Jörg!

PS: Diddi hat mir gesagt, er würde sich wieder mehr Berichte zu kulturellen Unterschieden bzw. zu witzigen oder kuriosen Situationen wünschen. Zudem sind laaaaange Reiseberichte nicht jedermanns Sache. Daher werde ich versuchen öfter mal einen Quickie wie diesen zu schreiben.

24. Juli 2008

Tücken beim Erlernen der chinesischen Sprache

Aktuell gibt es einen Artikel bei FAZ.NET, der mich zwar anfangs sehr interessiert hat, mir aber letztlich nicht weit genug ging.

Ich will mal einfach noch ein paar Sachen ergänzen. Wer also diesen Blogeintrag verstehen möchte, sollte sich zunächst den FAZ.NET-Artikel durchlesen.

Schön finde ich, wie der Autor der FAZ die Verwendung von ji 机 und dian 电 beschreibt. Da gibt es noch viel mehr. Zum Beispiel dian nao 电脑 - das "elektrische Gehirn". Ganz klar, hier bei handelt es sich um den Computer. Oder dian hua 电话 - die "elektrische Sprache". Auch nicht soweit her geholt, es handelt sich um das Telefon. Sehr beliebt ist dann da dian hua 打电话 - die "elektrische Sprache schlagen (nutzen)". Ja klar, telefonieren.

Das fei ji 飞机 - die "Fliegmaschine" - ist dann das Flugzeug. Im Übrigen kann ich mir diese Schriftzeichen sehr gut merken, weil mich das erste Schriftzeichen an einen in der Luft schwebenden Kolibri erinnert. Das huo ji 火机 - die "Feuermaschine" - ist fast schon folgelogisch das Feuerzeug. Man kann auch sagen da huo ji 打火机 - die "Feuermaschine schlagen (nutzen)" - was dann auch Feuerzeug heißt, mehr im Sinne es auch zu benutzen. (Sinologen bitte Kritik Marsch! - ich bin mir nicht so sicher!) Leider funktioniert das mit dem Flugzeug nutzen nicht mehr! Da fei ji 打飞机 heißt nämlich umgangssprachlich masturbieren - das "Flugzeug schlagen".

Also ihr seht, chinesisch lernen kann auch Spaß machen.

Was meiner Ansicht nach völliger Quatsch ist, und die Realitätsferne des Autors zeigt, ist das Beispiel mit dem chu zu qi che 出租汽车. Das Wort ist richtig, aber kein Mensch ruft in China nach einem Taxi. Erstens winkt einfach das Taxi nur heran und zweitens hört es kein Mensch, wenn man in einer normal lärmenden chinesischen Großstadt nach dem chu yu qi che brüllt.

So weit so gut,

Schöne Grüße aus Guangzhou, Jörg!